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Skatenightsterben? Die Gefahr bequemer Erklärungen

In Grünstadt gibt es nach der Skatenight in diesem Jahr gute Ideen, die Veranstaltung attraktiver zu machen. Aber es  besteht die Gefahr, dass die Verantwortlichen zu schnell zu bequeme Entschuldigungen suchen.

Es war kein Massenauflauf. Im Gegenteil: die Skatenight Grünstadt am 13. September ist hinter ihren Möglichkeiten zurück geblieben. Doch was soll man daraus folgern? Der Verantwortliche der Stadt macht es sich leicht: "Die Skater sind heute eine feste Gruppe, es kommen keine neuen Teilnehmer hinzu, allenfalls die Kinder, deren Eltern skaten". Daraus folgert Adam Vogel in einem Artikel in der Rheinpfalz: "Sollte es in zwei Jahren wieder eine Skate-Night in Grünstadt geben, dann mit einem veränderten Konzept".*

Der Abend in Grünstadt war sonnig und angenehm warm. Insofern sind die 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Zahl inklusive Ordner) klar nicht dem Wetter geschuldet. Und, auch das ist richtig: in den vergangenen Jahren waren die Teilnehmerzahlen bei der Skatenight in Grünstadt höher. - ca. doppelt so hoch. Aber bedeutet das, dass die Skatergemeinde stagniert und dass keine neuen Leute mehr für Rollen auf abgesperrten Straßen und Wegen mehr zu gewinnen sind?

Vermutlich nein. Im Vergleich zu den frühen 2000ern gibt es weniger Skater. Aber die Skatnights in Rhein-Neckar zeigen, dass auch viele neue Teilnehmer es genießen, ihre Freizeit auf acht Rollen zu verbringen. Es gibt immer regelmäßig Neuankömmlinge in der Region, die sich fürs Skaten begeistern. Und auch Menschen, die schon lange hier sind und sich anstecken lassen. Das Interesse am Skaten stabilisiert sich in den letzten Jahren. Es gibt keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Eine Sichtweise, wie die in der Rheinpfalz ist aber ergänzungsfähig: Mit verantwortlich für die Teilnehmerzahlen ist sicherlich auch die Kommunikationsarmut im Vorfeld. Hier wurden einige Möglichkeiten nicht genutzt mit denen interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten angesprochen werden können. Die Homepage der Skatenight Ludwigshafen und die Seite des Rhein-Neckar Skater e.V. erreichen viele interessiere Skater aus der Pfalz. Selbst als wir - eine knappe Woche vorher - von dem Termin erfuhren war auf der Homepage der Stadt Grünstadt nicht mehr als ein Kalendereintrag zu finden. Ohne Ort, ohne Zeit. Eine digitale Version des Flyers tauchte erst zwei Tage vor der Skatenight auf der Seite des Veranstalters auf. Ebenso sind Flyer in den Schulen - so kurz nach den Sommerferien - wahrscheinlich auch nicht der beste Weg, Menschen zu erreichen. Wer Menschen für einen Termin, der nur alle zwei Jahre stattfindet, begeistern will muss sich mehr ins Zeug hängen - sonst verpuffen die Bemühungen unbesehen. Schließlich hatte die Skatenight bisher immer früher im Jahr stattgefunden - die interessierten Leute haben sich so wahrscheinlich kaum darum bemüht, den Termin herauszufinden.

In mancher Hinsicht war Grünstadt aber auch ein voller Erfolg, der zeigt welchen Wert solche Skatenights haben . Gerade die Kinder, die auf dem 1,8km Kurs ihren Spaß hatten, machen das deutlich. Auch für die Integration hat die Skatenight etwas getan. Die zwei muslimischen Mädchen, die auf dem Rundkurs vergnügt unterwegs waren, wären auf anderen Wegen vermutlich schwerer an eine Sportart heranzuführen gewesen. Zudem haben es alle Anwesenden genossen: eine wunderschöne Strecke, eine gute Organisation und gemütliches Beisammensitzen im Anschluss.

Richtig ist, dass eine kleine Skatenight wie die in Grünstadt attraktiver wird, wenn es ein Rahmenprogramm gibt.  Der Vorschlag von Herrn Vogel ist daher absolut zu begrüßen. Die Skatenight parallel zu einem Fest - wie in Kirchheim das Weinfest - zu veranstalten wird helfen. Das zusammen mit rechtzeitiger und beherzter Kommunikation wird mehr Teilnehmer zur nächsten Skatenight in Grünstadt locken. Keinesfalls sollte man sich aber  auf die oben zitierte bequeme Erklärung zurück ziehen, dass es nämlich neue Skater einfach nicht mehr gibt und man auf solche Veranstaltungen verzichten kann. Zu leichtfertig würde man damit eine schöne und gelungene Veranstaltung riskieren, die vielen einen schönen Abend beschert und gute Erinnerungen an eine wunderbare Atmosphäre in Grünstadt hinterlässt.

*Quelle: Rheinpfalz, Nr.213, Montag, 14. September 2009, Unterhaardter Rundschau.

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